Es gibt Phasen im Leben, in denen Schweigen sch?tzt.
Und es gibt Momente, in denen Schweigen eng macht. Dr?ckt. Schwer wird.
Als Autorin und Lyrikerin habe ich gelernt, diesen Unterschied sehr genau zu sp?ren.
Ich schreibe nicht, weil ich etwas erkl?ren m?chte.
Ich schreibe, weil es Zeiten gibt, in denen Worte der einzige Weg sind, innerlich beweglich zu bleiben.
Wenn nichts zu sagen schwerer ist als alles zu sagen
Viele Menschen glauben, Schreiben beginne dort, wo man etwas „zu erz?hlen“ hat.
Meine Erfahrung ist eine andere: Schreiben beginnt oft dort, wo etwas keinen Platz findet. Wo Gedanken kreisen. Wo Gef?hle da sind, aber keinen Ausdruck.
In Gespr?chen mit Leser:innen h?re ich immer wieder, wie vertraut dieses Gef?hl ist.
Dieses innere Verstummen, das nicht ruhig macht, sondern bedr?ckt.
Schreiben wird dann zu einer Form von Gegenbewegung. Nicht laut. Nicht dramatisch. Aber notwendig.
Schreiben als Loslassen
Durch das Schreiben habe ich gelernt, dass Worte nicht nur benennen, sondern auch entlasten k?nnen. ?hnlich wie beim therapeutischen Schreiben – ohne sich als Therapie zu verstehen – entsteht etwas, das sich ordnet, w?hrend man schreibt.
Als Autorin schreibe ich nicht nur Gedichte, sondern auch Kurzgeschichten, Storytellings und Prosa – in unterschiedlichen Formen, aber aus derselben Haltung heraus. Ob Lyrik oder erz?hlender Text: Schreiben ist f?r mich immer ein Weg, Erfahrungen greifbar zu machen, innere Prozesse zu ?ffnen und Worte dort zu finden, wo sie im Alltag oft fehlen.
Gedanken werden greifbarer. Gef?hle verlieren ihre Schwere, ohne banal zu werden. Nicht, weil sie gel?st sind, sondern weil sie Raum bekommen.
Ich schreibe aus eigenen Erlebnissen und Erfahrungen. Echt, authentisch, manchmal roh, aber immer ehrlich.
Nicht alles, was geschrieben wird, ist bequem. Aber vieles wird dadurch tragbar.
Warum Lyrik daf?r besonders geeignet ist
Lyrik erlaubt, unvollst?ndig zu sein.
Ein Gedicht muss nichts abschlie?en. Es darf fragmentarisch bleiben. Es darf stehenlassen, was noch nicht rund ist.
Gerade deshalb eignet sich Lyrik f?r all das, was sich der Erkl?rung entzieht. F?r Gef?hle, die widerspr?chlich sind. F?r Situationen, die kein klares Ende haben. F?r innere Prozesse, die Zeit brauchen.
In Lesungen erlebe ich oft, dass Menschen sich genau dort wiederfinden. Nicht in der L?sung, sondern im Dazwischen. Und genau das schafft N?he.
Schreiben als Haltung
Ob in Gedichten, Storytellings, Kurzgeschichten oder im Kinderbuch:
Mir geht es darum, Werte sichtbar zu machen, die tragen. Zugewandtheit. Respekt. Ein Miteinander, das im Kleinen beginnt – in Beziehungen, Freundschaften, Nachbarschaften – und sich von dort aus weiterzieht.
Schreiben ist f?r mich eine Haltung.
Eine Entscheidung, nicht wegzusehen.
Nicht zu verstummen, wenn etwas benannt werden will.
Resonanz statt Rechtfertigung
Viele R?ckmeldungen, die ich bekomme, ?hneln sich nicht inhaltlich – aber in ihrem Kern:
„Ich habe mich wiedergefunden.“
„Das h?tte ich selbst nicht sagen k?nnen.“
„Danke, dass es daf?r Worte gibt.“
Das ist keine Best?tigung im klassischen Sinn.
Es ist Resonanz.
Vielleicht schreibe ich genau deshalb.
Weil Schweigen manchmal keine Option mehr ist –
und Worte der ehrlichste Weg sind, da zu bleiben.
Keywords:Schweigen,Option